Treppenlifte - Häusliche Mobilitätshilfen

Deutschland wird zur Seniorenrepublik. Schon mehr als 15 Prozent aller Menschen bei uns sind jenseits der 70 - mit rasch steigender Tendenz. Damit wächst unaufhaltsam auch die Anzahl älterer Menschen, die an Gehbehinderungen und anderen, die Mobilität einschränkenden Gebrechen leiden.

Treppensteigehilfen können dieser Bevölkerungsgruppe helfen, länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben - und wer will schon wegen einer "Behinderung" ins Altenheim? Für die Anbieter ist es ein boomendes, lukratives Geschäft. Die Preise für diese mechanischen Hilfssysteme liegen - je nach Typ und Ausführungsvariante - zwischen 4.300 und 15.000 Euro. Rund 20 deutsche Hersteller werben um Kunden in einem Markt, der mit jährlich zweistelligen Steigerungsraten wächst, aber ziemlich unübersichtlich ist. Längst nicht jeder Anbieter operiert mit seriösen Methoden, und die Werbung in Fernsehbeilagen, Apothekerzeitschriften und anderen Publikationen verspricht oft mehr, als das Produkt halten kann. Wer nicht sein sauer verdientes Geld in das falsche System investieren will, der muss sich vor der Entscheidung schlau machen.

Grundsätzlich wird bei Treppensteigehilfen zwischen mobil einsetzbaren und fest installierten Systemen unterschieden.

Mobile Systeme

Als mobile Systeme sind zwei Varianten im Angebot, die sich in Funktionsweise und Einsatzmöglichkeit stark unterscheiden. Beiden Geräten gemeinsam ist, dass sie in jedem Fall von einer Hilfsperson bedient und im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Ihr Vorteil gegenüber den fest installierten Systemen besteht einmal im vergleichsweise günstigen Preis (zwischen 4.300 und 4.600 Euro), zum anderen darin, dass sie auch für den Einsatz außerhalb der eigenen vier Wände geeignet sind - aufgrund ihrer Abmessungen passen sie in fast jeden Kofferraum.

Treppensteiger

Die Treppensteiger können auf der Ebene wie ein normaler Rollstuhl benutzt werden. Der eigentliche Steigemechanismus wird mit wenigen Handgriffen untermontiert. Er verfügt über ein - je nach Anbieter unterschiedlich konstruiertes - Radssteigesystem, das über einen akkugespeisten Elektromotor angetrieben wird und Stufen bis zu einer Höhe von etwa 25 Zentimetern überwinden kann.
Aufgrund ihrer hohen Wendigkeit sind die Treppensteiger auch für den Einsatz auf stark gewendelten Treppen geeignet, sie können also Kurven fahren.

Treppenraupe

Auch die Treppenraupe nimmt den Rollstuhl sozusagen Huckepack. Sie ist für jede Art von Rollstuhl einsetzbar, der dafür lediglich mit verstellbaren Halterungen ausgerüstet werden muss. Auch bei diesem System wird der fahrbare Untersatz von einem Elektromotor angetrieben. Für die Steigefähigkeit sorgt hier ein Paar etwa einen Meter lange Raupenketten aus Hartgummi - ähnlich wie bei Pistenraupen. Aufgrund dieser relativ starren Konstruktion vermittelt die Treppenraupe auf der einen Seite ein vergleichsweise sicheres "Fahrgefühl". Der Nachteil besteht andererseits darin, dass sie nur für den Einsatz auf geraden Treppen geeignet ist.

Fest installierte Systeme

Bei den fest installierten Anlagen zur Überwindung von Treppen wird längs des Treppenverlaufs ein System von Führungsschienen installiert (entweder an der Innenwand oder am Treppengeländer). Dabei gibt es zwei Grundvarianten:

 

  • so genannte Plattformlifte, bei denen der Rollstuhl mittransportiert wird, und

  • Sitz-Treppenlifte, die über einen aufklappbaren und drehbaren Sitz verfügen, auf dem nur die behinderte Person selbst nach oben beziehungsweise nach unten befördert wird.

 


Plattformlifte

Plattformlifte haben den Vorteil, dass die behinderte Person für das Überwinden der Treppe nicht umsteigen muss. Sie können auch von in ihrer Beweglichkeit sehr stark eingeschränkten Personen ohne fremde Hilfe benutzt werden. Eine kleine, bewegliche Rampe ermöglicht dabei das bequeme und sichere Befahren der Plattform. Nachteil dieses Systems: es benötigt relativ viel Platz; die Installation ist also nur auf ausgesprochen breiten Treppen ohne zu enge Kurven möglich. In der Parkposition lässt sich die Plattform allerdings einfach hochklappen. Der Treppenaufgang ist dann für andere Benutzer ohne große Einschränkung zugänglich. Kostenpunkt: zwischen 8.000 und 10.000 Euro für gerade, und 11.000 bis 15.000 Euro für gewendelte Treppen.

Sitz-Treppenlifte

Hier wird zwischen zwei verschiedenen Ausführungsformen unterschieden: der herkömmlichen Bauweise mit Zahnstangen-Antrieb und der technisch moderneren Variante mit dem sogenannten Traktionsantrieb.

Zahnstangen-Antrieb

Die Treppenlifte mit Zahnstangen-Antrieb funktioniert nach dem Prinzip "Zahnradbahn": Ein Antriebszahnrad zieht den Sitz durch seine Umdrehungen über eine fest verankerte, ebenfalls gezahnte Führungsstange.

Traktions-Antrieb

Diese relativ neue Entwicklung setzt auf den so genannten Traktionsantrieb: Vier unter dem Sitz angeordnete Antriebs- und Führungsrollen umschließen paarweise die beiden Rohre des Fahrwegs, was dem System eine verbesserte Kurvenstabilität und ruhigere Fahrweise verleiht.

Beide Systeme kosten ungefähr gleich viel: je nach Treppenlänge und -form zwischen 10.000 und 15.000 Euro inklusive Montage. Die unterschiedliche Bauweise des Antriebsystems wirkt sich offenbar auf den Komfort aus. Für "Ratgeber Technik" erprobte eine Gruppe Behinderter beide Varianten in der Dauerausstellung der "GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik" in Iserlohn.

Deren - natürlich subjektives - Urteil: Das von Rollen geführte System wurde als "angenehm, also ohne Vibrationen, und sehr geräuscharm zu fahren" empfunden. Bei dem vom Zahnrad geführten System wurde bemängelt, dass "die Vibrationen der Zahnräder" sich auf den Sitz übertragen, der dadurch "wackelt"; dazu käme ein "unangenehm lautes Fahrgeräusch."

Beratung ist wichtig

Treppen im Haus oder in der Wohnung müssen also für Menschen mit Gehbehinderungen oder anderen, die Mobilität einschränkenden Leiden keine unüberwindliche Barriere sein. Doch vor der Anschaffung beziehungsweise Installation solle man unbedingt sorgfältig prüfen, welches System sich für die jeweilige individuelle und häusliche Situation am besten eignet. Immerhin geht es nicht nur um eine Entscheidung für die persönliche Lebensqualität. Auch die Kosten einer solchen Investition können leicht Größenordnungen erreichen, die dem Kauf eines Klein- oder Mittelklassewagens gleichkommen. In jeder größeren Stadt gibt es Wohnberatungsstellen, die dabei helfen können. Ihre Mitarbeiter informieren - auch vor Ort - über Fragen wie:

  • welches System für die jeweilige persönliche und häusliche Situation zu empfehlen ist,

  • Anschaffungskosten und baurechtliche Vorschriften (in manchen Kommunen sind Baugenehmigungen und Prüfbescheinigungen erforderlich),

  • Verhalten bei Produkt- oder Montagemängeln beziehungsweise schlechter Servicequalität,

  • Zuschüsse durch Pflegeversicherung und fallweise auch kommunale Förderprogramme,

  • eventuelle Anschaffung eines gebrauchten Treppenlifts.

 


Wie eingangs erwähnt, ist der Markt sehr undurchsichtig. Unter den Anbietern gibt es auch schwarze Schafe, die zum Beispiel hohe Anzahlungen verlangen und sich dann bei der Lieferung und Installation jede Menge Zeit lassen. Nicht selten sind auch Mängel bei der Installation von Treppenliften durch Montagefirmen, die "auf den schnellen Euro" aus sind. Deshalb gilt: vor der Anschaffung unabhängig informieren lassen und Preisvergleiche anstellen. Auf keinen Fall den Kaufvertrag sofort unterschreiben oder gar eine hohe Anzahlung akzeptieren.

Autorin/Autor: Franz Jägeler, Anne Johe

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